Die Kornblume in der Kunst: Geschichte eines Blautons zwischen Symbolik und Pigmenten
8 Min. Lesezeit · von Walensky
GEMÄLDE BLEUET
Ein Kornfeld im Juni, durchsetzt von blauen Flecken, die sich weigern, sich in Reih und Glied zu fügen. Diese Anarchie hat Maler bereits verführt, lange bevor die Kornblume zum Tapetenmotiv oder bestickten Kissen wurde. Hinter dieser kleinen Wildblume verbirgt sich eine Geschichte aus Pigmenten, Krieg und Licht, die weit über bloße Wanddekoration hinausreicht.
Die direkte AntwortDie Kornblume steht zugleich für ländliche Unschuld und die französische Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, und sie dient Malern als visueller Vorwand, um die kostbarsten Blautöne der Geschichte zu erkunden: Lapislazuli, Ultramarin, Preußischblau und Kobaltblau. Ihr Farbspiel reicht vom tiefen Königsblau bis zu einem hellen, fast grauen Blau, je nach Pigment und Epoche, in der sie gemalt wurde.- Die Kornblume ist in Frankreich mit der Erinnerung an die Soldaten von 1914-1918 verbunden, durch das Symbol des „bleuet de France“
- Die Blautöne, mit denen sie gemalt wurde, haben eine eigene Geschichte: Lapislazuli, synthetisches Ultramarin, Preußischblau, Kobaltblau
- Impressionisten und Symbolisten haben nicht dieselbe Kornblume gemalt: auf der einen Seite vibrierendes Licht, auf der anderen nächtliches Geheimnis
Die Kornblume, Feldblume und künstlerisches Symbol
Bevor sie ein Motiv wurde, war die Kornblume ein Unkraut. Centaurea cyanus wächst dort, wo man sie nicht erwartet, mitten in den Feldern, und die Bauern haben sie lange eher bekämpft als bewundert. Gerade diese unkontrollierte Präsenz, diese blaue Freiheit inmitten der goldenen Ordnung des Getreides, hat die ländlichen Maler des 19. Jahrhunderts fasziniert.
Die Kornblume verkörpert Unschuld, die Frische des Morgens, ein ländliches Frankreich, das man idealisiert, während es unter der Industrialisierung verschwindet. Van Gogh streut sie in seine Felder, Monet lässt in seinen normannischen Wiesen einen blauen Tupfer erahnen. Nichts davon ist zufällig: Die Kornblume gehört zu den wenigen Blumenmotiven, die eine ganze nationale Vorstellungswelt tragen, noch bevor sie mit dem Krieg verbunden wurde.
Eine Kornblume zu malen heißt immer auch, ein wenig französisches Licht einzufangen – jenes der Kornfelder unter einem Sommerhimmel.
Die Blaupigmente, die die westliche Malerei geprägt haben
Blau war nie eine leicht zu gewinnende Farbe. Anders als Rot oder Gelb, die aus gewöhnlichen Erden oder Pflanzen gewonnen wurden, war intensives Blau lange ein Luxus für Maler, fast ein Statussymbol.
Vom Lapislazuli zum synthetischen Ultramarin
Der Lapislazuli, ein Halbedelstein, der in Afghanistan abgebaut wurde, schenkte den Meistern der Renaissance ihr kostbarstes Blau: das natürliche Ultramarin. Sein Preis rivalisierte mit dem des Goldes, weshalb Auftraggeber dieses Pigment den bedeutendsten Figuren eines Bildes vorbehielten, oft dem Mantel der Jungfrau. Erst 1826 und mit der Erfindung des synthetischen Ultramarins durch den Chemiker Jean-Baptiste Guimet wurde dieses Blau endlich erschwinglich und ebnete den Weg für großzügigere Flächen in der Malerei des 19. Jahrhunderts.
Preußischblau und Kobaltblau im 19. Jahrhundert
Das Preußischblau, zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Berlin zufällig entdeckt, bringt eine beinahe schwarze Tiefe, ideal für Schatten und nächtliche Himmel. Das Kobaltblau, ein Jahrhundert später populär geworden, bietet eine kühle und stabile Reinheit, die die Impressionisten für ihre Himmel und Wasserspiegelungen übernahmen. Beide Pigmente, kombiniert mit den Abstufungen des Ultramarins, bilden die typische Palette des Farbspiels, das für im Freien gemalte Kornblumen verwendet wurde, zwischen leuchtendem Königsblau und einem hellen, vom Licht fast ausgebleichten Blau.
Kobaltblau bleibt im Licht stabil, anders als manche älteren organischen Blautöne, die mit der Zeit vergilbten. Das ist einer der Gründe, warum impressionistische Leinwände so klare Blautöne bis heute bewahrt haben.
Herzensempfehlung
Gemälde Kornblumen in Blau und Elfenbein mit geschlossenen Knospen – Dunkelgrüne Stiele – Edition Kornblume
Ab 228,90 €
Dieses Gemälde entdeckenDie französische Kornblume: ein Symbol der Erinnerung und des Patriotismus
Die Kornblume war nicht immer eine friedliche Blume. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie zum Emblem der Erinnerung, die man jeden 11. November und jeden 8. Mai als Brosche trägt. Die Schlachtfelder im Norden Frankreichs, von Granaten umgepflügt, sahen als Erstes die Kornblume und den Klatschmohn wieder sprießen, zwei robuste Wildblumen, die einen aufgewühlten Boden zu besiedeln vermögen.
Krankenschwestern und Kriegsveteranen wählten die Kornblume, die Farbe der Uniform der jungen Rekruten von 1915, als Symbol für eine Solidaritätsstiftung zugunsten verwundeter Kriegsopfer. Seither trägt das Malen einer Kornblume in Frankreich, auch wenn es nur diskret geschieht, diese Erinnerungslast. Ein Kornblumen-Gemälde, das in einem Haus hängt, ist daher nie völlig neutral: Es ruft, ob man es will oder nicht, jene Geschichte des Blaus als Farbe des Opfers ebenso wie der ländlichen Sanftheit auf.
— Unsere Auswahl
Wie die Malstile das Blau-Spektrum der Kornblume neu erfunden haben
Zwei Schulen, zwei Blautöne, beinahe zwei Farbphilosophien. Impressionismus und Symbolismus haben sich desselben Motivs bemächtigt, um daraus gegensätzliche Atmosphären zu gewinnen.
Der Impressionismus und das Licht der blauen Felder
Die Impressionisten malen die Kornblume vibrierend, fast elektrisch, im vollen Sonnenlicht eingefangen. Der zerlegte Pinselstrich lässt Kobaltblau und Ultramarin erahnen, die nebeneinander ohne Vermischung gesetzt sind, damit das Auge des Betrachters sie aus der Ferne verschmelzen lässt. Das Ergebnis ist ein Blau, das zu bewegen, zu atmen, fast unter dem Mittagslicht zu glühen scheint.
Der Symbolismus und das mystische Nachtblau
Umgekehrt dunkeln die Symbolisten ihre Palette ab. Das dichtere, introspektivere Preußischblau dient dazu, Traum, Nacht und Unbewusstes heraufzubeschwören. Die Kornblume wird dann weniger zur Blume als zur Idee: die eines tiefen Blaus, das eher eine Innerlichkeit erzählt als eine Landschaft. Diese dunklere Richtung findet man auch in unserer Kollektion symbolistischer Gemälde, in der das Blau zur Materie des Geheimnisses wird statt zur ländlichen Kulisse.
Wenn Sie eine dieser beiden Welten mehr anspricht als eine bloß hübsche Blume, sollten Sie Ihr Gemälde nach dieser Absicht wählen: helles, leuchtendes Blau für eine impressionistische Stimmung, tiefes Blau für eine introspektivere Atmosphäre. Dieselbe Logik überlegter Farbtöne finden Sie übrigens in der Auswahl blauer Gemälde im Shop, über alle Stilrichtungen hinweg.
— Auch entdecken
Ein Kornblumen-Gemälde nach seinem Blauton wählen
Die gewählte Farbstimmung verändert die ganze Wirkung einer Kornblume an der Wand. Man sollte besser von der gewünschten Atmosphäre ausgehen als vom Motiv selbst.
Königsblau und Elfenbein für eine kräftige Stimmung
Ein klares Königsblau auf elfenbeinfarbenem Grund verleiht Charakter, ohne schrill zu wirken. Es ist die Wahl für ein Wohnzimmer, das eine selbstbewusste Farbakzent möchte, kein pastellfarbener Hintergrund, der verschwindet.
Helles Blau und zartes Grün für eine sanfte Atmosphäre
Umgekehrt schaffen ausgeblichene Blautöne in Verbindung mit zarten Grüntönen eine ruhigere, fast aquarellierte Stimmung. Ideal für ein Schlafzimmer oder eine Leseecke, wo man Sanftheit statt visueller Wucht sucht.
- Königsblau und Elfenbein: für einen Raum, der klare Kontraste liebt
- Helles Blau und Seladongrün: für eine beruhigte, fast botanische Stimmung
- Blau und Weiß: für eine grafische, helle Wirkung, nah am skandinavischen Stil
Häufige Fragen zur Kornblume in der Kunst
Wofür steht die Kornblume in der Kunst?
Sie verkörpert Unschuld und ländliche Frische, in Frankreich aber auch die Erinnerung an die Soldaten des Ersten Weltkriegs durch das Symbol des französischen Kornblumen-Gedenkens.
Warum wird die Kornblume mit Frankreich in Verbindung gebracht?
Weil sie auf den durch die Kämpfe von 1914-1918 umgepflügten Böden spontan wuchs und ihre Farbe an die Uniform der jungen Rekruten jener Zeit erinnerte.
Was ist der Unterschied zwischen Ultramarin und Kobaltblau in der Malerei?
Ultramarin, ursprünglich aus Lapislazuli gewonnen, hat eine warme, leicht violette Tiefe. Kobaltblau ist kühler, reiner und bleibt im Lauf der Zeit besonders lichtbeständig.
Welcher Kunststil stellt die Kornblume am besten dar?
Der Impressionismus wegen seines vibrierenden Lichts und seiner leuchtenden Felder, der Symbolismus wegen seiner dunkleren, geheimnisvollen Fassung. Beide vertragen sich gut in einer Sammlung moderner Gemälde, die von diesen Welten inspiriert sind.
Wenn Ihnen die Erkundung tiefer Blautöne über das bloße Blumenmotiv hinaus gefallen hat, setzt eine Kollektion abstrakter Gemälde in blauem Marmor dieselbe Faszination für Farbe fort, diesmal in mineralischer Version. Und um weitere, mit Geschichte beladene Symbole des Blaus zu verstehen, beleuchtet unser Artikel über die Bedeutung des blauen Bandes und der weißen Tauben eine weitere Facette dieser Bildwelt.
Fazit
Kehren wir zu diesem Kornfeld zurück, das voller Blau getupft ist. Nichts daran ist zufällig: Jeder Ton, den ein Maler setzt, erzählt von einem Pigment, einer Epoche, manchmal von einem Krieg. Ein Kornblumen-Gemälde zu wählen heißt daher nie, „nur eine Blume“ zu wählen, sondern ein Blau-Spektrum, das bewusst oder unbewusst die ganze Geschichte trägt.
Um die Nuance zu finden, die zu Ihrem Interieur passt, versammelt die Kollektion der Kornblumen-Gemälde die hier beschriebenen Abstufungen von Königsblau, Hellblau und Elfenbeinblau, jedes in Italien auf Acrylglas oder Alu-Dibond gedruckt und sofort aufhängbar.
Unsere Kollektionen entdecken






